Der Staat schwimmt in Geld: Warum der 18,3 Milliarden-Überschuss gut für dich ist

Der deutsche Staat hat im ersten Halbjahr 2017 viel mehr Geld eingenommen als ausgegeben. Grund ist ein Wirtschaftsaufschwung, der einfach nicht enden will. Hier erfährst du, was das für dich bedeutet.

Wie viel sind 18.300.000.000 Euro? Um so viel Geld zu verdienen, müsste ganz Deutschland mehr als zwei Tage lang durcharbeiten. Um diese Summe auf einen Schlag auszugeben, könnte jeder der 80 Millionen Einwohner für 228,75 Euro shoppen gehen. Aber warum beschäftigt uns diese Zahl heute? Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen!

 

Was ist passiert?


Der deutsche Staat hat von Januar bis Juni rund 18,3 Milliarden Euro mehr Geld eingenommen als ausgegeben. Das meldet das Statistische Bundesamt. Mit Staat sind hierbei der Bund, die Bundesländer, die Kommunen und die Sozialversicherung (dazu zählen unter anderem die Arbeitslosenversicherung, Krankenkassen und die Rentenversicherung) gemeint.

 

Warum ist das wichtig?


Ein reicher Staat kann mehr für seine Bürger tun als ein armer. Finanzminister Wolfgang Schäuble will mit dem vielen Geld vor allem Schulden abbezahlen. Denn noch immer hat der deutsche Staat sehr hohe Schulden – umgerechnet rund 24.000 Euro pro Bundesbürger.

 

Was bedeutet der Überschuss für dich?


„Bei einer geringeren Staatsverschuldung kann die Politik besser auf überraschende Wirtschaftskrisen reagieren. Zudem muss der Staat weniger Geld für die Zinsen seiner Schulden ausgeben“, erklärt Volkswirtschaftsprofessor Bert Rürup, der Präsident des Handelsblatt Research Instituts. Nach Ausbruch der Weltfinanzkrise 2008 rettete der Staat viele Banken und förderte mit viel Geld den Kauf neuer Autos („Abwrackprämie“). So rettete die Regierung vielen Beschäftigten in der Automobilwirtschaft den Arbeitsplatz.

 

 

Und: Wenn du einen festen Job hast, musst du zum Beispiel weniger Geld für deine Kranken-, Arbeitslosen- oder Rentenversicherung bezahlen. Weil unsere Gesellschaft immer älter wird, müssten die Sozialbeiträge eigentlich steigen. Weil der Staat in Geld schwimmt, bleibt dir das nun erstmal erspart. Wenn du noch nicht arbeitest, hat der Staat einen größeren Spielraum, um deinen Eltern ein höheres Kindergeld zu zahlen. Und wenn du arbeitslos bist, kann sich der Staat eher ein höheres Arbeitslosengeld oder einen höheren Hartz-IV-Satz leisten.

 

Woher kommt der große Überschuss?


Der Staat und die Sozialversicherungen planen ihre Haushalte normalerweise so, dass sie genau so viel ausgeben wie einnehmen. Im ersten Halbjahr 2017 hat der Staat aber viel mehr Steuern eingenommen als geplant. „Das liegt daran, dass die Unternehmen in Deutschland seit Jahren sehr gute Geschäfte machen und mit der steigenden Zahl der Beschäftigten die Lohnsteuer und das Aufkommen der Sozialabgaben steigen“, erklärt Professor Rürup.

Mit anderen Worten: Bessere Geschäfte beuteten mehr Steuern für den Staat. Gleichzeitig werden, wenn die Wirtschaft wächst, neue Arbeitsplätze geschaffen. Wer Arbeit hat, zahlt Steuern und Sozialbersicherungsbeiträge.

 

Sind die 18,3 Milliarden Euro ein Rekord-Überschuss?


Ja! Bisher kam es nur einmal vor, dass der Staat einen noch größeren Überschuss erzielt hat, erklärt ein Sprecher des Statistischen Bundesamts, nämlich im zweiten Halbjahr 2000. Damals verkaufte die Bundesregierung neue Lizenzen an Mobilfunkbetreiber und nahm damit mehr als 50 Milliarden Euro ein. Weil der Staat selbst aber bei seinen regulären Einnahmen und Ausgaben ein Defizit machte, blieb unterm Strich „nur“ ein Plus von 28,8 Milliarden Euro übrig.

Nach den ersten sechs Monaten 2016 ging der Staat zunächst von einem Überschuss von 18,5 Milliarden Euro aus. Am Ende wurden es aber „nur“ 17,5 Milliarden Euro.

 

Und was soll der Staat nun mit dem vielen Geld machen?


Darüber werden die Politiker in den nächsten Tagen wild diskutieren – denn es ist Wahlkampf. Wahrscheinlich werden wir viele Vorschläge hören, wofür der Staat mehr Geld ausgeben soll oder die Steuern senken soll. Denn sparen und Schulden abbezahlen kommt bei vielen Wählern nicht so gut an. Lieber kündigen die Parteien „Wahlgeschenke“ an.

 

Orange by Handelsblatt, 25.08.2017, URL: http://orange.handelsblatt.com/artikel/32685

Zur Themenübersicht